Auszeit

Allein in der Stille
oder
Auch eine Mutter braucht mal eine Auszeit

Ich kann nicht viel wirklich gut. Aber jammern, ja, das liegt mir. Da entwickle ich echte Strategien und perfektioniere stets meine Methoden. Als ich also im Herbst angefangen habe zu jammern, ich bräuchte mal eine Pause, alles wäre mir oft zu viel und zu laut – da war das pure Berechnung. Und die Rechnung ging auf: Mein Mann Hannes – voller Mitleid mit seiner leidgeprüften Frau – schickte mich für 3 ½ Tage in die Stille. Genauer gesagt nach Oberrasen in Antholz im Pustertal.
Anfangs konnte ich mein Glück kaum fassen. Ich. Allein. 3 Tage. Wann gab es das zuletzt? Ich kann mich nicht erinnern. Auf jeden Fall war es laaaange vor den Kindern… Auf das Glückgefühl folgte die Frage: Was soll ich da machen? Und ich plante prompt drauflos. Bis ich mich besann und feststellte, dass ich ja gar keinen Plan brauchte. Ich war allein. Ich konnte, wenn ich wollte, einfach den ganzen Tag im Bett liegen und nichts tun. Ich hatte ganz verlernt wie das ging, schließlich muss mit Kindern immer alles genau geplant werden, immer muss ich für vier denken und 1.000 Dinge im Kopf haben. Gut, diese 3 Tage mit mir allein wollte ich also einfach mal ohne Plan verbringen.
Sonntag ging’s los. In meiner Tasche nur das Nötigste (ok, erwischt, der letzte Tag sollte ein Shopping-Tag werden! 😉 ) und 4 Bücher. Etwa 1,5 h sollte die Fahrt von Meran nach Oberrasen dauern. Ich fühlte mich wie Thelma oder Louise auf ihrer gemeinsamen Reise (https://www.youtube.com/watch?v=S7GoTAmvxw0): Frei und wild und unabhängig!! Bevor ich in meiner kleinen Pension eincheckte, machte ich noch einen Abstecher zum Antholzer See, dorthin wollte ich schließlich schon lang einmal. Ein Bild der absoluten Idylle bot sich mir: Unter kobaltblauem Himmel tummelten sich auf dem zugefrorenen See ein paar Eisläufer, Sonntags-Spaziergänger überquerten die riesige Eisfläche und das, was ich mir so gewünscht hatte, fand ich hier auch: Stille. Ich spazierte am See entlang, wagte mich auch aufs Eis und gönnte mir hinterher einen warmen Apfelstrudel und Kaffee. Ich war glückselig! Kein Kindergeschrei, kein „Maaamaaaa!!!“, kein Gejammer. Hach! So hatte ich mir das vorgestellt. Dann machte ich mich auf in mein Urlaubszuhause, den Oberlechnerhof. Die sehr freundliche Gastgeberin hatte schon auf mich gewartet und brachte mich auf mein Zimmer. Hier konnte man es aushalten! An dem Tag verließ ich mein Bett nur mehr um kurz was zu essen (ok, das wäre mit einer Freundin zum Quatschen definitiv besser gewesen, aber was soll’s…) Um 8 guckte ich noch den neuesten „Tatort“, bevor ich einschlief und … von den Kindern träumte…! 😉
Nach einem göttlichen Frühstück widmete ich den nächsten Tag ganz der freien Natur, ich spazierte stundenlang den Bach entlang und nachmittags drehte ich noch eine Runde in meinen Laufschuhen. Nachmittags um 4 hatte ich einen Termin mit meiner Badewanne, die ich dann auch satte 2 Stunden nicht mehr verließ. Unterhalten wurde ich von Katniss und Peeta, die sich mit 22 anderen Tributen bei den Hungerspielen die Köpfe einschlugen. Apropos Hunger: Den hatte ich dann auch, aber zum Abendessen gab’s „nur“ die Reste des Frühstücks. Für kein Steak der Welt hätte ich mein Zimmerchen an dem Abend mehr verlassen. Nachdem meine Zimmernachbarn ihr Bett noch lautstark eingeweiht hatten, konnte ich dann endlich glücklich und müde einschlafen.
Meinen 3. Tag im Pustertal verbrachte ich im Cron 4, seinen Schwimmbädern und einer Saunalandschaft, die ihresgleichen sucht. Bis spätabends war ich da auch nicht mehr wegzukriegen, beim Lesen (die Hungerspiele gingen in die 2. Runde), Dösen, Schwitzen, Schlafen, noch mehr Schwitzen und Genießen ging die Zeit leider viel zu schnell vorbei. Der Abreisetag kam mit gemischten Gefühlen, einerseits wollte ich meine Freiheit noch nicht aufgeben, andererseits freute ich mich doch ein bisschen auf die kleinen Tyrannen. Bis ich aber tatsächlich nach Hause musste, brachte ich noch meine Bankomatkarte ein klein wenig zum Glühen, und tingelte von Shop zu Shop von Bruneck bis Bozen. Ein guuutes Gefühl!!
Fazit: Ich wusste nicht, dass ich länger als eine Stunde still sein kann – es ist wunderbar! Und die 3 Tage haben wirklich was gebracht: mir eine unglaublich tolle Erfahrung, Hannes die Bestätigung, dass er auch mal allein klarkommt und den Kindern eine Mama, die – wenn auch nicht für immer – ziemlich ausgeruht und gelassen ist! 😉

Foto: „Kronplatz Nordföhn05 2013-01-08“ by KlausFoehlOwn work. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons.

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