Fasching mit Kindern in Südtirol – Faschingsdienstag in Aldein

Die Narren sind los!
oder
Ein alter Faschingsbrauch: der Tinzltag in Aldein

Gerade erst war Weihnachten und plötzlich heißt es zu Hause schon: Mama! Es ist Fasching! Ich brauche ein Kostüm!! Und Mama macht sich ans Tüfteln. Ein 0815-Kostüm aus dem Geschäft oder Internet kommt für mich nicht infrage – erstens ist mir das oft zu teuer, zweitens gefällt es mir oft nicht und drittens – ich geb’s zu – liebe ich es, unsere Kostüme selbst zusammenzustellen bzw. zu basteln. David hat sich dieses Jahr in den Kopf gesetzt sich als Vampir zu verkleiden, obwohl er sich seit neuestem vor allem fürchtet, er muss sich sogar bei der Werbung im Radio seine Ohren zuhalten… Und Lina erklärt kategorisch: Sie geht als – tadaaaaa – Prinzessin… Wie letztes Jahr auch… Alle kreativen Vorschläge meinerseits lehnt sie ohne auf Kompromisse einzugehen ab: Nutella, Haifisch, Blume, Eule, Schneemann, sogar als Anna, die Schwester der Eiskönigin Elsa, will sie auf keinen Fall gehen. Wenn schon, dann als Elsa selbst, aber das will ich nicht, weil gefühlte 100 Elsas im Kindergarten rumlaufen werden. Also Prinzessin. Wie letztes Jahr. Gleiches Kleid (es musste mal gewaschen werden nach 1 Jahr…), dafür aber eine neue Krone! David bekommt neue Zähne und einen selbstgenähten Umhang. Und wir Erwachsenen? Hannes ist erklärter Faschingsmuffel und ich dieses Jahr eigentlich auch… Also gehen wir als Eltern! Sogar mit lachendem Gesicht! 😉
Nach dem obligatorischen Kinderfasching am Unsinnigen Donnerstag im örtlichen Sportzentrum wollen die Kinder ihre Kostüme unbedingt noch einmal anziehen. Weil uns das Wetter am Wochenende zu schmuddelig für einen Faschingsumzug ist, entscheiden wir uns am Faschings-Dienstag zum Tinzltag nach Aldein zu fahren. Ich habe Verwandtschaft da, deshalb kenne ich den alten Faschingsbrauch im kleinen Bergdorf. Und ich weiß: Das ist wirklich was für Kinder! Also fahren wir frisch geschminkt in aller Frühe los, schließlich gehört zum Tinzltag auch eine Kinder-Messe in der Kirche, und die beginnt um 9. Am Dorfplatz angekommen, tummeln sich dort schon zahlreiche verkleidete Kinder und Erwachsene, die es sich trotz Schnee nicht nehmen lassen hier zu sein. Sofort ins Auge stechen aber die vielen Schulkinder: Die Buben tragen Hüte mit langen bunten Bändern und langen Pfaufedern, die Mädchen haben bunte Blumenkränze im Haar. Das gehört hier zur Tradition und die Kinder tragen ihren Kopfschmuck mit sichtlichem Stolz. Früher hat man noch die schönsten Hüte und Kränze prämiert, heute nimmt jedes Kind, das mit Hut oder Blumenkranz in die Kirche kommt, an einer Verlosung teil. Nach der Messe, bei der es ganz locker zugeht und auch der Pfarrer zu Späßen aufgelegt ist, laufen alle Kinder auf den Dorfplatz, wo die Schützenkompanie des Dorfes für Speis und Trank sorgt und die verkleideten Musikanten der Musikkapelle aufspielen. Das absolute Highlight ist aber das „Zuckerlewerfen“. Früher haben noch die Lehrer Bonbons in die Menge geworfen, heute übernehmen die Schützen die Pflege dieses Brauchs. Nicht nur die Kinder wetteifern darum, wer mehr Zuckerlen erwischt, auch von den Erwachsenen bückt sich der ein oder andere danach – gibt sie aber dann großmütig an die Kleinen weiter. 😉 Gegen Mittag gehen alle wieder nach fröhlich nach Hause und auch wir sind bei unseren Verwandten zum Essen eingeladen! David und Lina jedenfalls hatten sichtlichen Spaß beim Tinzltag und wollen nächstes Jahr unbedingt wieder dabei sein – dann aber mit den längsten Pfaufedern am Hut und den buntesten Blumen im Haar!

Foto: By Stefano Bussolon from Rovereto (TN), Italy (Carnevale a Tempio Pausania) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

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